«Wir haben uns gefunden»: FCB-Sportchef Marco Streller (2.v.l.) und Cheftrainer Marcel Koller (3.v.l.) haben offenbar etwas an ihrer Zusammenarbeit geändert. (Bild: Telebasel)
Von David Frische (Text) und der Telebasel-Sportredaktion (Video)
19 Punkte Rückstand auf YB – und beim FCB ist kaum Selbstkritik zu hören. Stattdessen gibt’s an der Medienkonferenz demonstrierte Einigkeit und Gratulationen.
Der «Telebasel Sport»-Beitrag vom 20. Dezember 2018. (Video: Telebasel)
«Wir freuen uns riesig darauf, die Rückrunde in Angriff zu nehmen», das waren die Worte von FCB-Sportchef Marco Streller an der Medienkonferenz vom 19. Dezember 2018. Die Verantwortlichen beim FC Basel zogen Bilanz zur Hinrunde der laufenden Meisterschaft. Eine Hinrunde, die mit 19 Punkten Rückstand auf Leader YB endete.

«Es ist sehr gut, dass wir die Hinrunde mit zwei Siegen und auf dem zweiten Tabellenplatz abschliessen konnten», sagte Marcel Koller am Mittwoch. Solche Worte aus dem Mund eines FCB-Trainers wären vor wenigen Jahren in Basel unvorstellbar gewesen. Zumal zwischen den Young Boys und dem FCB eine historisch grosse Lücke klafft: 19 Punkte Abstand zwischen dem Ersten und dem Zweiten, das gab es in diesem Jahrtausend in der höchsten Schweizer Spielklasse noch nie.
Ein Lob an die Jungen
Dass zudem mit Marcel Koller ein wahrer Meistertrainer das sagt, liegt wohl genau in dieser überdeutlichen Ausgangslage begründet: «Der Rückstand auf YB ist einfach zu gross», bilanzierte Marco Streller vor den Medien. Er übt sich in Bescheidenheit. Dies, nachdem ihm eine Aussage in den letzten Monaten mehrfach um die Ohren geflogen war: Das Kader sei gut genug, um den Meistertitel zu holen, sagte Streller noch zu Beginn der Saison.

Nun, 18 Spiele später, streicht Marco Streller vielmehr das Positive heraus: «Junge Spieler hatten die Chance, sich weiterzuentwickeln». Er spricht Eray Cömert und Albian Ajeti an, die zu Stützen im Team gereift seien. Natürlich sei man nicht zufrieden mit den 19 Punkten zwischen YB und dem FCB. «Wir hätten gerne weniger Rückstand», so Streller. Ansonsten ist im Rahmen dieser Halbjahres-Bilanz von der rotblauen Chefetage aber nicht viel Selbstkritisches zu hören. Sie demonstriert Harmonie.
«Wir sind eine Einheit»
Dabei ertönte noch vor gerade einmal zwei Wochen in Basel der laute Knall: Spieler beschwerten sich bei Marco Streller über ihren Trainer Marcel Koller, berichtete der «Blick». Auch Streller und Koller sollen nicht sehr gut miteinander können, legten andere Medien nach. «Wir haben uns gefunden», sagte Streller nun am Mittwoch, und auch Marcel Koller meinte: «Es ist wichtig, dass wir kontrovers miteinander diskutieren». Die letzten zwei Siege hätten gezeigt, dass es miteinander funktioniert und «dass wir eine Einheit sind».
Der Trainer ist also kein Thema mehr. Der Sportchef ebenfalls nicht. Das stellte auch der neue CEO des FCBs, Roland Heri, an diesem Mittwoch gleich zu Beginn klar. «Ich freue mich, auf die neue Aufgabe und darauf, mit Marco Streller und Marcel Koller am 3. Januar in die Rückrunde zu starten.»
Roland Heri selbst ist also die einzige Änderung in der Chefabteilung des FCB in diesem Winter. Er steigt vom COO zum CEO auf. Von grosser Tragweite dürfte der Wechsel nicht sein. Heri wird mehr Aufgaben in der Öffentlichkeitsarbeit übernehmen. Er besetzt einen Posten, der seit dem Abgang Jean-Paul Briggers von Anfang Juni vakant war. Viel mehr sagt der FC Basel zur Neubesetzung nicht. Es gibt Gratulationen an die Adresse von Roland Heri.
«Es gibt keine Baustellen»
Personell dürfte es auch in der Mannschaft nicht die ganz grossen Rochaden geben. Man werde sich in der Winterpause Überlegungen zu Transfers machen, so Sportchef Marco Streller. «Wir werden aber sicher nicht in Aktionismus verfallen.» Die Mannschaft sei stark genug, um Platz 2 zu halten, sagt er nun zum Ende des Jahres. Auch Cheftrainer Koller meint: «Es gibt keine Baustellen in der Mannschaft». Wenn die verletzten Spieler zu Beginn der Rückrunde wieder fit seien, «bin ich zufrieden».

Trotz vielversprechender Talente aus der Region ist aber Fakt, dass das Kader Löcher aufweist. Die Mannschaft stellt mit Silvan Widmer nur einen gestandenen Rechtsverteidiger. Dass Widmer in der Hinrunde mehr Minuten als jeder andere FCB-Spieler auf dem Platz stand, unterstreicht diese Tatsache.
Auch der Sturm ist mit Albian Ajeti und Ricky van Wolfswinkel eher dünn besetzt. Dimitri Oberlin und Afimico Pululu sind in dieser Saison keine echten Alternativen, wie ihre Leistungen in der Vorrunde zeigen.
Kuzmanović und Stocker bleiben
Das Team soll sich laut Marcel Koller weiterentwickeln. Dieses Team. In der Rückrunde dabei sein werden auch Zdravko Kuzmanović und Valentin Stocker. «Sie sind beide sehr motiviert für die Rückrunde und werden beim Trainingsstart bei uns sein», stellt der Trainer in Bezug auf die beiden enttäuschenden Spieler klar. Beide kehrten einst als Königstransfers zum FCB zurück. Valentin Stocker übrigens im letzten Winter, als der FCB hinter YB auf dem zweiten Tabellenplatz gelegen hatte.
Grosse Transfers wird der FC Basel also erst im Sommer tätigen. «Unser Ziel ist es, Platz 2 zu sichern», formulierte Marco Streller. Zudem wolle man im Cup angreifen und dort den Titel holen.
Erschienen am 20. Dezember 2018 auf telebasel.ch und in der Sendung «Telebasel Sport» im TV.
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