«Basel gefällt mir viel besser als Zürich», sagt der Winterthurer Waggis Thomas Rast. (Bild: 20 Minuten/daf)
Von David Frische
Er hat eine Zürischnurre, lebt in Winterthur und liebt die Basler Fasnacht über alles: Thomas Rast. Seit Jahren ist er Stammgast am Cortège – und sucht als Waggis die Konfrontation.
Am Cortège muss Rast über seinen Schatten springen und auch mal eine FCB-Fahne umhängen. (Video: 20 Minuten/daf)
Stellen Sie sich vor, Sie werden an der Basler Fasnacht von einem Zürcher mit Räppli gestopft. Was viele nicht für möglich halten, schliesslich ist die Fasnacht ja eine heilige Bastion der Bebbi, passiert wirklich. «Gäll du kännsch mi nöd?», der Waggis mit der Zürischnurre ist auch dieses Jahr uf dr Gass. Ein Zürcher Waggis auf feindlichem Boden. Kann das gut gehen?
«Es geht relativ gut», sagt Thomas Rast. Der 34-Jährige traut sich während jeweils drei Tagen im Jahr einiges zu. Rast ist Winterthurer und Waggis. «Vor 13 Jahren nahm mich meine Freundin mit an den Morgestraich. Seitdem ist die Basler Fasnacht in meinem Kalender gesetzt.»
Sein Herz gehört Zürich und Basel
Sowohl die Beziehung mit seiner Basler Partnerin als auch jene zur Fasnacht sind für Rast eine Erfolgsgeschichte. Der Morgestraich ist für den Winterthurer Pflichtprogramm: «Ich freue mich jedes Jahr aufs Neue, wenn dann um 4 Uhr morgens das Licht aus geht – das ist Gänsehaut pur!» An der Fasnacht nur still und leise teilzunehmen reicht Rast nicht. Er sucht aktiv die Konfrontation und ist seit mehreren Jahren als Waggis uf dr Gass unterwegs. Im Gepäck hat er natürlich Räppli, seine Zürischnurre und ein spezielles Kostüm.
Mit diesem stellt Rast offen seine Herkunft zur Schau, denn es ist in den Winterthurer Farben Rot-weiss gehalten. Ein Button mit dem Winterthurer Wappen auf seiner Brust räumt jegliche Zweifel aus. Auch auf dem einen Zoggeli ist das Wappen abgebildet, auf dem anderen der Baslerstab. Rast hat sein Herz mittlerweile an beide Städte verloren.
Schnitzelbänke: Die Höhle des Löwen
Die Liebe zu Basel hört beim Fussball aber auf: «Mein Herz schlägt für den FCZ», gesteht Rast, im Wissen, dass er sich an der Fasnacht von einem anderen Waggis auch mal eine FCB-Fahne umhängen lassen muss. Der Versicherungsangestellte nimmts mit Humor. Genauso auch die Schnitzelbänke in den Kellern, in die er sich jeweils abends begibt, wo er scharfe Verse über «Ziircher» über sich ergehen lassen muss.
Natürlich wurde er dort schon mehrfach als Zürcher entlarvt, ernsthafte Konflikte seien daraus aber noch nie entstanden. «Das Schlimmste war bislang, dass ein anderer Gast im Cliquenkeller den Tisch nicht mir teilen wollte wegen meiner Herkunft.» Ansonsten bleibt es bei kleinen Neckereien und einem fiesen Grinsen. Die Rivalität zwischen den beiden Kantonen hat eben auch ihre Grenzen.
Verstärkung aus Zürich dabei
Rast geniesst die Fasnacht jeweils mit seiner Partnerin und Basler Freunden. Und er sorgt dafür, dass er nicht der einzige Zürcher auf weiter Flur ist. Seine Schwester und ein guter Freund aus Winterthur kommen als Verstärkung mit nach Basel. Und dieses Jahr hat Rast sogar noch die Eltern im Gepäck. Sie alle zieht die Basler Fasnacht ebenfalls in ihren Bann.
Nach den drey scheenschte Dääg geht es für Rast wieder nach Winterthur zurück in den Alltag. Dieses Jahr dürfte die Basler Fasnacht bei Rast aber etwas länger nachhallen als sonst: «Ich bin stolz darauf, ein Stück Unesco-Weltkulturerbe nach Winterthur tragen zu dürfen!» Mal schauen, wie viele Zürcher nächstes Jahr mit ihm nach Basel ziehen werden.
Erschienen am 21. Februar 2018 auf 20min.ch und in der Printausgabe von «20 Minuten».
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